Nebenbei jesacht

Max, der Motorist, erzählt:

Neulisch war ick bei eener Diskussion üba die Zukunft vom Fachhandel. Der Moderator bejann die Diskussion mit eenem Bild und frachte:
„Ich habe den Eindruck, der Fachhandel hetzt auf eingefahrenen Gleisen vor einem heranbrausenden Zug und sucht verzweifelt nach einer Weiche, ohne auf die Idee zukommen, dass er einfach ein paar Schritte seitwärts zu treten brauchte- welche
Lokomotive verfolgt denn Sie?“ „ Bei mia sint dett die Marktführer von meene Artikel“ fing ick an, „die betrachten uns Kleene nua als nützliche Idioten unt behandeln uns ooch so. Die zahlen uns een Taschenjeld füa Garantiearbeiten, die drücken uns eene km-Pauschale uffs Ooge, die nisch reicht. Die sagen dia, watt Jewährleistung is unt watt nisch. Wia müssen teure Spezialwerkzeuje anschaffen, weil wa sonst unsan Status falieren, müssen een Jrundsortiment koofen, ooch wenn det Zeuch oft jenuch wie Blei liecht, müssen unsa Ersatzteillager uffstocken unt se verhökern ihre Maschinen ooch noch, wo se wollen, in Baumarkt um de Ecke oda jleich im Internett- ja, dette sint meene Lokomotiven. Die wissen eben janz jenau, dett ick meene Bude dicht machen kann, wenn ick se rausschmeißen tue, also, friss oda stirb!- jibt keene Weiche nisch ! “ Da hat dea Moderator ziemlisch blöd aus de Wäsche jekiekt. „Haben Sie denn keine Lobby?“ frachte er. „Nee, wia kleenen Motoristen sint noch nisch so weit - jeda kämpft für sich alleene unt kiekt nisch übern Tellerrand , weil eena dem andern nischt fajönnen tut . Denn jibts noch’en paar Grüppchen unt Vabände, die kochen ihr eigenet Süppchen. Watt kannste erwarten, wenn da ooch Hersteller Mitglied sint? Deren Funzionere produzieren nischt wie heiße Luft. Aba ick gloobe, ett ham jetzte so ville Motoristen die Schnauze voll, dett dett Fass balt überloofen tut.“ „Und warum ergreifen Sie nicht selbst die Initiative? Suchen Sie sich Kollegen in Ihrer Region, wählen Sie gezielt eine Ihrer „Lokomotiven“ aus und boykottieren sie diese mit Einkaufsstop, Dienst nach Vorschrift und, und, und. Helfen Sie sich untereinander aus bei Engpässen. Machen Sie Ihre Aktion in den Social Media öffentlich. Nach 8 Wochen nehmen Sie sich die nächste Lokomotive vor und dann die nächste! Das sind nur Nadelstiche, aber die erregen Aufmerksamkeit!“ meente der Moderator. Da war ick baff, tolle Idee, wa? HJS

und hier die „deutsche" Version:

Neulich war ich bei einer Diskussion über die Zukunft des Fachhandels. Der Moderator begann die Diskussion mit einem Bild und fragte:
„Ich habe den Eindruck, der Fachhandel hetzt auf eingefahrenen Gleisen vor einem heranbrausenden Zug und sucht verzweifelt nach einer Weiche, ohne auf die Idee zukommen, dass er einfach ein paar Schritte seitwärts zu treten brauchte- welche
Lokomotive verfolgt denn Sie?“ „ Bei mir sind das die Marktführer in meinem Sortiment“ fing ich an, „die betrachten uns Kleine nur als nützliche Idioten und behandeln uns auch so. Die zahlen uns ein Taschengeld für Garantiearbeiten, die drücken uns eine km-Pauschale aufs Auge, die nicht reicht. Die sagen dir, was Gewährleistung ist und was nicht. Wir müssen teure Spezialwerkzeuge anschaffen, weil wir sonst unser Status verlieren, müssen ein Grundsortiment kaufen, auch wenn viele dieser Artikel sich nicht drehen, müssen unser Ersatzteillager aufstocken und sie verkaufen ihre Maschinen auch noch, wo sie wollen, im Baumarkt um die Ecke oder gleich im Onlinehandel- ja, das sind meine Lokomotiven. Die wissen eben ganz genau, dass ich mein Geschäft schließen kann, wenn ich sie aus dem Sortiment nehme, also, friss oder stirb!- es gibt keine Weiche! “ „Haben Sie denn keine Lobby?“ fragte der Moderator irritiert. „Nein, wir kleinen Motoristen sind noch nicht so weit - jeder kämpft für sich alleine und schaut nicht über den Tellerrand, aus Neid vor dem Erfolg des anderen. Es gibt noch ein paar Grüppchen und Verbände, die kochen ihr eigenes Süppchen. Was kann man schon erwarten, wenn da auch Hersteller Mitglied sind? Deren Funktionäre produzieren nichts wie heiße Luft. Ich glaube allerdings, dass die Verärgerung bei den Motoristen sehr groß und das Maß voll ist.“ „Und warum ergreifen Sie nicht selbst die Initiative? Suchen Sie sich Kollegen in Ihrer Region, wählen Sie gezielt eine Ihrer „Lokomotiven“ aus und boykottieren sie diese mit Einkaufsstop, Dienst nach Vorschrift und, und, und. Helfen Sie sich untereinander aus bei Engpässen. Machen Sie Ihre Aktion in den Social Media öffentlich. Nach 8 Wochen nehmen Sie sich die nächste Lokomotive vor und dann die nächste! Das sind nur Nadelstiche, aber die erregen Aufmerksamkeit!“ meinte der Moderator. Diese Antwort hat mich wirklich überrascht- ist gut, diese Idee, oder?
H.J.Schmidt, Ing.