MOTORIST Heft 1/15

MOTORIST Heft 1/15

Max beim Interview

Max beim Interview

Max, der Motorist, erzählt:

Als mia der Jornaliste von meene Fachzeitschrift anjerufen hat, fühlte ick mia richtisch jebauchklatscht. Da wollte eener mia intawjuen- mia, den kleenen Motoriste, dett war stark! Der kam denn ooch pünktlisch wie abjesprochen, stellte sich vor unt bemerkte zum Schluß, detter „freier Mitarbeiter“ der Redaktion sei. „ Ach so“, sachte ick „denn kriegen Se ooch keen Mindestlohn ab 1.Januar ?“ Da hatta nur jejrinst unt jesacht: „meine Arbeit macht mir sehr viel Spaß, aber erlauben Sie mir eine Gegenfrage. So, wie ich Ihren Betrieb einschätze, arbeiten Sie etwa 70-80 Stunden in der Woche, oder ? Und zahlen Sie sich den Mindestlohn?“ „Nee,“ sachte ick, „dett kann ick mia nisch leisten, müsste ick dette, denn würde ick mir sofort entlassen, dett könnse glooben.“ Irjendwie hatten wa nun jleisch eenen Draht zueinander jefunden unt nu frachte er mia Löcher in Bauch unt kwetschte mia aus, wie ne Zitrone. Allet kriege ick nisch mehr zusammen, aba an soon paar Fragen kann ick mir schon erinnern. Eene Frage war :„Wie beurteilen Sie denn die Informationspolitik der Hersteller?“ Au weia, imma ruff uff’s Schlimme. Heute wirste ja zujeschüttet mit Werbung unt Infos. Also, wenn ick an die Herstellernachrichten denke, kommt mia der kalte Kaffee hoch, dett is Bürokratie 2,0 unt de Info unta alla Sau. Watt da manchmal fürn Schwachsinn verzapft wirt, jeht uff keene Kuhhaut. Aba dett is quasi Jesetz, machste nisch,watt die schreiben, biste anjelämmert. Neulich hab ick mal ne Pressemitteilung in de Hand jehabt: 51 Seiten ! Wat gloobense worum det jink ? um een Atomkraftwerk ? nee, um Heckenscheren mit Kabel. Da jeht eim doch der Draht ausse Mütze. Ham die nischt besserett zu tun, als sich selbst zu beweihräuchern? Die sollten öfter in eure Zeitung kieken, da jibs jeballte Info unt nisch Blabla. Wissen Se, de zweete Sintflut hat bereits begonnen- allerdings schickt der da oben jetzt Papier oda E-Mails statt Wassa! Der Spruch is nisch von mia, wer dett jesacht hatt, weeß ick nisch, aba dett trifft den Nagel uffen Kopp.
Als der Jornaliste nach zwee Stunden jejangen is, war ick fix unt alle, da hatte ick jekwasselt wie soon Entenarsch, aba dett hat mia jut jetan- der kann jerne wiedakommen.

und hier die „deutsche“ Version:

Als mich der Journalist von meiner Fachzeitschrift angerufen hat, fühlte ich mich sehr geschmeichelt. Da wollte einer mich interviewen - mich, den kleinen Motoristen, das war stark! Der kam dann auch pünktlich, wie abgesprochen, stellte sich vor und bemerkte zum Schluss, dass er „freier Mitarbeiter“ der Redaktion sei. „ Ach so“, sagte ich „dann bekommen Sie auch keinen Mindestlohn ab 1.Januar?“ Da hat er nur gelächelt und gesagt: „meine Arbeit macht mir sehr viel Spaß, aber erlauben Sie mir eine Gegenfrage. So, wie ich Ihren Betrieb einschätze, arbeiten Sie etwa 70-80 Stunden in der Woche, oder? Und zahlen Sie sich den Mindestlohn?“ „Nein,“ sagte ich, „das kann ich mir nicht leisten, müsste ich das, dann würde ich mich sofort entlassen, das können Sie mir glauben.“ Irgendwie hatten wir nun gleich einen Draht zu einander gefunden und nun bombardierte er mich mit Fragen und hakte immer wieder nach. Alles bekomme ich nicht mehr zusammen aber an ein paar Fragen kann ich mich noch erinnern. Eine Frage war:
„Wie beurteilen Sie denn die Informationspolitik der Hersteller?“ Auweia, immer rauf auf das Schlimme. Heute wird man ja zugeschüttet mit Werbung und Infos. Also, wenn ich an die Herstellernachrichten denke, kommt mir der kalte Kaffee hoch, das ist Bürokratie 2,0 und die Information häufig miserabel. Dieses Geschreibsel ist nicht selten einfach indiskutabel. Aber was da geschrieben steht, ist quasi Gesetz, macht man nicht, was die vorschreiben, hat man schlechte Karten. Neulich habe ich mal eine Pressemitteilung in der Hand gehabt: 51 Seiten! Was glauben Sie worum es darin ging? um ein Atom-kraftwerk ? nein, um Heckenscheren mit Kabel. Da geht einem doch der Draht aus der Mütze. Haben die nicht Besseres zu tun, als sich selbst hoch zu loben? Die sollten öfter in eure Zeitung schauen, da gibt es geballte Information ohne Blabla. Wissen Sie, die zweite Sintflut hat bereits begonnen- allerdings schickt der da oben jetzt Papier und E-Mails statt Wasser! Der Spruch ist nicht von mir, wer das gesagt hat, weiß ich nicht, aber das trifft den Nagel auf den Kopf.
Als der Journalist nach zwei Stunden gegangen ist, war ich fix und fertig und hatte soviel geredet wie lange nicht mehr, aber es hat mir gut getan- der kann gerne wiederkommen.

H.J.Schmidt, Ing.