MOTORIST Heft 3/15

MOTORIST Heft 3/15

Brainstorming a' la Max !

Max, der Motorist, erzählt:

„Bei uns heest unsa Chef nur noch Knautschke“ ,dett steckte mia soon oller Järtner unt grinste als wa uff seenen Chef zu sprechen kamen.„Unt warum?“ fragte ick- „na, janz eenfach“, war die Antwort, „der taucht kurz uff, reißt dett Maul uff unt taucht wieda unta!- so wie dett olle Nilpferd Knautschke aussem Balina Zoo.“ Natürlisch habe ick kurz jelacht, aba nischt jesacht, schließlisch is dett „Nilpferd“ nen juter Kunde- den sein Laden is ville jrößa als meene kleene Klitsche, da halte ick mia lieba raus . „Knautschke“ muss füa mehr als fünfzisch Mitarbeeter löhnen, der wirt wohl seene Leute anders anfassen müssen als icke. Unt trotzdem, ick weeß nisch, ob dett Respekt is, wenn eener „Nilpferd“ jenannt wirt- die Leute machen sisch üba ihn lustisch. Der mag ne Menge Knete ham, aba sein jrößtet Kapital is doch seene Mannschaft, wenn die üba sein Matscho-Ufftritt Witze macht, is dett nisch jut, nisch füa seen Immitsch und nisch füa seen Laden. Wenn mia mal watt danebenjeht, könnse üba mia lachen, aba fahohnepiepeln lass ick mia nisch unt dett würden meene Leute nie tun: weda meene Susie noch meene Leute. Aba die wissen ooch, watt’se an mia ham. Ick bin da unt schraube mit-… unt ick weeß: ohne meene Kruh läuft janischt, da könnte ick den Laden jlatt fajessen ! Die soll jerne hia arbeeten, die müssen zufrieden sint, uff die lass ick nischt kommen, die behüte ick wie ne Klucke. Klar, ooch bei uns jibs ma Zoff unt wenn mal eener zusammenjefaltet wern muss, denn mach ick dett – aba nisch wie nen Knautschke oda nen wildjewordna Handfejer. Bei uns in Laden war dett schon imma so, ick kenn dett janisch anders- unt noch eens is wie imma : mittachs wirt der Laden eene Stunde zujemacht, dett Telefon uff AB jeschaltet unt denn essen wa alle zusamm, alle an eenen Tisch, jeda seens, kochen tut Susie nua füa uns beede, aba wia sitzen imma zusamm- ooch dett hat hia Tradizjon. Da hamwa schon öfters Tacheless jeredet ,weil sisch jeda traut, seine Meenung zu sagen oda Vorschläje zu machen. Da lachen wa üban juten Witz aba da wirt keener ausjelacht oda fahohnepiepelt, ooch wenn dett jans verrückte Ideen sint. Beim Essen is dett janz eenfach . Weil der Laden zu is, stört uns keener unt wia können allett in Ruhe bequatschen. Ick sage mia denn imma: „Fahr deene Antennen aus unt jeh uff Empfang. Entspann dia, hör zu, hör uff die Zwischentöne uff dett, watta nisch aussprischt, untabrich nisch unt lass’n ausreden“. Ick gloobe in neudeutsch nennt man dett Breenstorming ? Is ejal wie dett heest, uff jeden Fall hilftett , müssta ma probiern, kann ick nua empfehlen. HJS


und hier die Übersetzung in die deutsche Sprache:

„Bei uns heißt unser Chef nur noch Knautschke“ ,das raunte mir ein alter Galabauer hinter vorgehaltener Hand zu und grinste als wir auf seinen Chef zu sprechen kamen.„Und warum?“ fragte ich- „na, ganz einfach“, war die Antwort, „der taucht kurz auf, reißt das Maul auf und taucht wieder unter!- so wie das alte Nilpferd Knautschke aus dem Berliner Zoo.“ Natürlich habe ich kurz gelacht, aber es nicht kommentiert, schließlich ist das „Nilpferd“ ein guter Kunde- dessen Betrieb viel größer als meiner, da halte ich mich lieber zurück. „Knautschke“ hat mehr als fünfzig Mitarbeiter, der wird wohl seine Angestellten anders anfassen müssen als ich. Und trotzdem, es zeugt nicht gerade von Respekt, wenn einer „Nilpferd“ genannt wird- die Leute machen sich über ihn lustig. Der mag eine Menge Geld haben, aber sein größtes Kapital ist doch seine Mannschaft, wenn die über seinen Macho-Auftritt Witze macht, ist das nicht gut, gar nicht für sein Image und es schadet letzten Endes dem Betrieb. Wenn mir mal was daneben geht, kann man über mich lachen, aber verhohnepiepeln lass ich mich nicht und das würden meine Leute nie tun: weder meine Susie noch die anderen in der Mannschaft. Aber die wissen auch, was sie an mir haben. Ich bin da und packe mit an-… und ich weiß: ohne mein Team läuft gar nichts, da könnte ich den Laden glatt vergessen! Diese Crew soll gerne hier arbeiten, die müssen zufrieden sind, auf die lass ich nichts kommen, die behüte ich wie eine Glucke. Klar, auch bei uns gibt es ab und zu Zoff und wenn mal einer zur Ordnung gerufen werden muss, dann mache ich das – aber ich führe mich nicht auf wie ein Knautschke oder ein wild gewordener Handfeger. Bei uns im Laden war das schon immer so, ich kenne es nicht anders- und noch eines ist wie immer : mittags wird der Laden eine Stunde zugemacht, das Telefon auf AB geschaltet und dann essen wir alle zusammen, alle an einem Tisch, jeder seins, Susie kocht nur für uns beide, aber wir sitzen immer zusammen- auch das hat hier Tradition. Da wurde schon des Öfteren Tacheless geredet, weil sich jeder traut, seine Meinung zu sagen oder Vorschläge zu machen. Da lachen wir über einen guten Witz aber niemand wird ausgelacht oder verhohnepiepelt, selbst wenn das ganz verrückte Ideen sind. Beim Essen fällt das jedem leicht. Weil der Laden zu ist, stört uns keiner und wir können alles in Ruhe diskutieren. Ich sage mir dann immer: „Fahr deine Antennen aus und geh auf Empfang. Entspann dich, hör zu, hör auf die Zwischentöne auf das, was er nicht ausspricht, unterbrich nicht und lass ihn ausreden“. Ich glaube in neudeutsch nennt man das Brainstorming? Ist egal wie das heißt, auf jeden Fall ist das sehr hilfreich, müsstet Ihr mal ausprobieren, kann ich nur empfehlen.

H.J.Schmidt, Ing.