MOTORIST Heft 3/16

bitte beachten- Hinweis der Redaktion
wegen umfangreicher, fachlicher Beiträge war im Heft 3/16 leider kein Platz für den Druck des "Max"- er wird aber am 23.08.16 im Heft 4/16 veröffentlicht werden.

Jetze sacht Amal, unsa Praktikant aus Syrien, schon „Meesta“ zu mia, alsa anjefangen hat, nannte er mia „Sahib“.Natürlich tickt Amal anders, keen Wunda ,wenn eena 2000 km jeloofen is unt denn monatelang im Heim rumjehangen hat, wo ihm de Decke uffen Kopp jefallen is. Der Amal is jetze so volla Tatendrang, dass wa ihm bremsen müssen.

MOTORIST Heft 3/16,

Max, der Motorist, erzählt:

Jetze sacht Amal, unsa Praktikant aus Syrien, schon „Meesta“ zu mia, alsa anjefangen hat, nannte er mia „Sahib“. Aba nisch nur dette hat ihm seen PS, seen Pörsonell Szkaut, unsa Kevin, schon beijebracht, ooch „Pünktlichkeit“ war füa Amal een Fremdwort. Kevin, in letzten Lehrjahr, hatt ihm bejeistert unta seene Fittische jenommen als ick ihm zum PS von Amal, der ja schon 22 is, jemacht habe- nisch nua bei de Arbeet, ooch sonst. Aba bis Amal bei uns schrauben durfte, kam ick mia vor wie Sisyphos, war ick bei Hinz unt Kunz von wejen de Arbeetserlaubnis unt musste dem Amtsschimmel kräftisch die Sporen jeben. Nu is allet Paletti unt wenn dett mit dem Praktikum jut jeht, kanna ooch Azubi wern, is een echta Jlücksfall füa unsre kleene Bude. Natürlich tickt Amal anders, keen Wunda ,wenn eena 2000 km jeloofen is unt denn monatelang im Heim rumjehangen hat, wo ihm de Decke uffen Kopp jefallen is. Der Amal is jetze so volla Tatendrang, dass wa ihm bremsen müssen. Neulisch wollte er den Mäher schon starten, bevor ick mit dem Öleinfüllen fertisch war. Dett is ihm fremd, dett mit de „deutsche Gründlischkeit“ aba sowatt kann man lernen. Die drei Monate von sein Praktikum wern wa nutzen unt ihm dett einbläuen- dett Schrauben mit Fastant . Jut is, detta in Syrien mit der Schule fertisch war, bevor dett losjink mit dem Bürjerkriej da unten. Kollejen ham ma Bange machen wollen, da 70% der Asylanten-Azubis schmeissen, weil se de Theorie nisch packen tun unt dett mit dem „Deutsch“ nisch klappt. Destowejen is ja Kevin seen PS unt nisch Robbie. Kevin kommt aus Hannover unt Robbie, unsa Rupert, aus Bayern. Stellt euch mal dett Deutsch von Amal vor, von eenem Bayern beijebracht, der seit 10 Jahren bei mia, eenem jeborenen Baliner ackat! Nee, dette würde in die Hose jehn. Aba mit Kevins Hilfe unt mit Amals Deutschkurs inna Schule haut dett hin, wolln wa wetten? Da habe ick keene Angst, sacht ja ooch schon sein arabischer Name: „Amal“ heest so ville wie „Hoffnung“ uff deutsch. Na, also!
HJS

und hier die „deutsche" Version:

Jetzt sagt Amal, unser Praktikant aus Syrien, schon „Meister“ zu mir, als er angefangen hat, nannte er mich „Sahib“. Aber nicht nur das hat ihm sein PS, sein Personal Scout, unser Kevin, schon beigebracht, auch „Pünktlichkeit“ war für Amal ein Fremdwort. Kevin, der im letzten Lehrjahr ist, hat ihn begeistert unter seine Fittiche genommen, als ich ihn zum PS von Amal, der schon 22 Jahre alt ist, gemacht habe- nicht nur bei uns im Geschäft, auch sonst. Aber bis Amal bei uns schrauben durfte, fühlte ich mich wie Sisyphos, war ich bei Hinz und Kunz wegen der Arbeitserlaubnis und musste dem Amtsschimmel kräftig die Sporen geben. Nun ist alles geregelt und wenn das mit dem Praktikum gut geht, kann er sogar seine Lehre hier beginnen, das ist ein echter Glücksfall für unsere kleine Firma. Natürlich tickt Amal anders, kein Wunder, wenn jemand 2000 km gelaufen ist und monatelang untätig im Flüchtlingsheim herumsitzen musste, wo ihm die Decke auf den Kopf gefallen ist. Der Amal ist jetzt so voller Tatendrang, dass wir ihn häufig bremsen müssen. Neulich wollte er den Mäher schon starten, bevor ich mit dem Öleinfüllen fertig war. Die„deutsche Gründlichkeit“ ist ihm eben fremd, aber das kann man lernen. Die drei Monate seines Praktikums werden wir nutzen und ihm schon zeigen und beibringen, was das ist, das Schrauben mit Verstand. Das Gute ist, dass er in Syrien mit der Schule fertig war, bevor der Bürgerkrieg begann. Kollegen wollten mir Angst machen, da 70% der Asylanten-Azubis abbrechen, weil die Flüchtlinge die Theorie wegen mangelnder Schulbildung und fehlender Sprachkenntnisse nicht bewältigen. Deswegen habe ich Kevin zum PS gemacht und nicht Robbie. Kevin kommt aus Hannover und Robbie, wie wir unsern Rupert nennen, aus Bayern. Stellt euch mal das „Deutsch“ von Amal vor, von einem Bayern gelernt, der seit 10 Jahren bei mir, einem geborenen Berliner arbeitet! Nein, das würde in einem Fiasko enden. Aber mit Kevins Hilfe und mit Amals Deutschkurs in der Schule wird das was werden, wollen wir wetten? Da habe ich keine Angst, sein arabischer Name: „Amal“, bedeutet auf Deutsch „Hoffnung“. Na, also!
H.J.Schmidt, Ing.