MOTORIST Heft 4/14

MOTORIST Heft 4/14

mit einem Beitrag über Nullwenderadiusmäher von H.J.Schmidt, Ing.

Max im Heft 4/14

Max, der Motorist, erzählt:

Früha hat det allet mehr Spaß jemacht in de Werkstatt. Da ham wa noch an de Maschinen
jebohrt, jefeilt ,jelötet, jeschweißt, da ham wa richtisch repariert. Imma wenn ick meene Schweißakutte anziehe, muss ick an meenen Lehrjesellen denken unt wia mia fast eene jescheuert hat, weil ick ohne Brille, Handschuhe und Schürze mal so eben een Tankstutzen von een ILO-Motor einlöten wollte. „Biste bescheuert?“ rief er, alsa uff mia los stürmte, die Jasflaschen zudrehte unt mia den Brenna aus de Hand riss. „Wenn de dett noch mals machst, fängstde dia aba een paar!“ Denn schnappte er sisch den kleenen Tank, jink uffen Hof, hielt den Wasserschlauch rin und spülte ihn jründlisch aus. „So“ sachte er „unt nu pass uff! Ohne Schutzkleidung looft hier janischt: Brille uff, Handschuhe an und Lederschürze um, ham wa uns vastanden ? Wat globste, kannste nu anfangen?“ „Klar, kann ick“ „Nee, kannste nisch!“ Er nahm den Brenner, zündete det Jas an, öffnet de Sauerstoffpulle unt stellte de Flamme richtisch ein. „jeh zur Seite !“ Er leejte den Tank seitlich uff den Tisch und hielt den Brenner ans Loch. „Puff“ machte et und ne Stichflamme war det Erjebnis. „So“ sachte er „nu kannste!“ Denn hab ick den Tank richtisch hinjeleejt unt nen Keil hinten unt eenen vorn, damita nisch wegrollen tut unt hab den Stutzen mit Lötpulva unt Messinglot hart einjelötet. Heute machen wa so wat nur noch ab unt zu- eijentlisch reparieren wa janisch mehr, sondern tauschen nur noch aus. Kann ja ooch keener mehr bezahlen. Da nehm wa eben eenen neuen Tank aus Kunststoff, is ville billja. Früha ham wa Unterbrecher jefeilt oda Kondensator ausjewechselt, heute schmeißen wa ja den janzen Zündmodul innen Müll unt nehm nen neuen. Ick finde det ja nisch jut, det so ville wegjeschmissen wirt. Aba Ex unt Hopp is ja heute in, wa ? Die bauen die Maschinen heute ooch so blöd, dette janze Baujruppen austauschen musst- nisch reparieren kannst. Denkt ja keener daran, wat passiert, wenn der Kunde den Mist bei uns kaputt uff de Werkbank knallt unt wie man det wieda in Ordnung bringen könnte. Denn sint det wia , die den Kopp hinhalten unt uns wat einfallen lassen müssen. So isset eben, wenn keen Prototyp jebaut unt jeprüft wirt, de Maschinen aussem PC jleich uffen Band landen , denn im Laden noch warm aussem Ofen vakooft werdn unt der Kunde det Versuchs-karnickel iss. Balt wirt ooch ja nisch mehr jeschweißt oda jelötet, da wirt nur noch jepresst unt jeklebt. Et jibt ja heute schon Autos aus Karbon, die sint alle vollständig jepresst unt jeklebt. Det kommt ooch bei uns in de Jartentechnik, wetten ? Komisch is,det denn det Stoßjebet eines Schweißers wieda passt: „Jott jebe, det et klebe!“

und nun die "deutschsprachige" Version, nicht immer wortgetreu, weil man manche Wörter nur sinngemäß übersetzen kann:

Früher hat das alles mehr Spaß gemacht in der Werkstatt. Da haben wir noch an den Maschinen gebohrt, gefeilt ,gelötet, geschweißt, da haben wir richtig repariert. Immer wenn ich meine Schweißer-Schutzkleidung anziehe, muss ich an meinen Lehrgesellen denken und wie er mir fast eine geknallt hat, weil ich ohne Brille, Handschuhe und Schürze mal so eben einen Tankstutzen von einem ILO-Motor einlöten wollte. „Bist Du bescheuert?“ rief er, als er auf mich los stürmte, die Gasflaschen zudrehte und mir den Brenner aus der Hand riss. „Wenn Du das noch mal machst, fängst Du Dir aber ein paar!“ Dann nahm er den kleinen Tank, ging auf den Hof, hielt den Wasserschlauch rein und spülte ihn gründlich aus. „So“ sagte er „und nun pass auf! Ohne Schutzkleidung läuft hier gar nichts: Brille auf Handschuhe an und Lederschürze um, haben wir uns verstanden ? Was glaubst Du, kannst Du nun anfangen ?“ „Klar, kann ich“ erwidert ich „Nein, kannst Du nicht“ Er nahm den Brenner, zündete das Gas an, öffnete die Sauerstoffflasche und stellte die Flamme richtig ein. „geh zur Seite !“ Er legte den Tank seitlich auf den Tisch und hielt den Brenner ans Loch. „Puff“ machte es und eine Stichflamme war das Ergebnis. „So“ sagte er „nun kannst Du!“ Dann habe ich den Tank richtig hingelegt und einen Keil hinten und einen vorn, damit er nicht wegrollt und habe den Stutzen mit Lötpulver und Messinglot hart eingelötet. Heute machen wir so etwas nur noch selten- eigentlich reparieren wir gar nicht mehr, sondern tauschen nur noch aus. Kann ja auch keiner mehr bezahlen. Da nehmen wir eben einen neuen Tank aus Kunststoff, der ist viel billiger. Früher haben wir Unterbrecher gefeilt oder Kondensator ausgewechselt, heute werfen wir ja den ganzen Zündmodul in den Müll und nehmen einen neuen. Ich finde das ja überhaupt nicht gut, das so viel weggeworfen wird. Aber Ex und Hopp ist ja heute „in“, nicht wahr? Die bauen die Maschinen heute auch so blöd, das man ganze Baugruppen austauschen muss- nicht reparieren kann. Denkt ja keiner daran, was passiert, wenn der Kunde den Mist bei uns defekt auf die Werkbank stellt und wie man das wieder in Ordnung bringen könnte. Dann sind das wir , die den Kopf hinhalten und uns was einfallen lassen müssen. So ist es eben, wenn kein Prototyp gebaut und geprüft wird, die Maschinen aus dem PC gleich auf dem Band landen , dann im Laden noch warm aus dem Ofen verkauft werden und der Kunde das Versuchskaninchen ist. Bald wird sicher nicht mehr geschweißt oder gelötet, da wird nur noch gepresst und geklebt. Es gibt ja heute schon Autos aus Carbon, die sind vollständig gepresst und geklebt. Dieser Werkstoff wird auch bei unserer Gartentechnik verwendet werden, wetten ?
Komisch ist, dass dann das Stoßgebet eines Schweißers wieder passt : „Gott gebe, dass es klebe!“

H.J.Schmidt, Ing.