MOTORIST Heft 4/15

Susie's Standpauke

Max und Susie- seine bessere Hälfte:

"gloobste, du bist unverwundbar wie Superman?"

Max, der Motorist, erzählt:

Dett hab ick schon mal erzählt: wenn meene bessere Hälfte, die Susie, die bei uns die Buchhaltung macht unt ooch in Laden hilft, „meen Lieba“ sacht, denn is Vorsicht jeboten, wenn se „Nee, meen Lieba“ sacht, denn brennt det Dach, denn musste dia verkrümeln.
Neulich war et ma wieda so weit. Ick kam nichts ahnend int Büro, da hält de Susie meenen Terminkalenda in de Hand, kiekt mia an und sacht: „Nee, meen Lieba, watt solln dett ? warum hasten den Termin füa deenen Check-up in de Klinik abjesacht?“ Watt sollte ick da schon antworten? Dett so ville zu tun is ? Dett ick ja jesunt bin ? Dett Krankenhäuser der blanke Horror füa mia sint? Ick bin nisch uffen Munt jefallen, aba da konnte ick nur noch murmeln : „Uffjeschoben is nisch uffjehoben- ick mach dett allet im Herbst, wenn dett ruhiga is!“ Aba damit war die Sache nisch vom Tisch, Susie holte tief Luft unt denn kam’se,- ihre Standpauke: „nennste dett vielleicht „verantwortungsvoll“, wenn de ackerst bis zum Umfallen- 70-80 Stunden inde Woche unt jetze seit drei Jahren ohne Urlaub, wenn de wie nen Uhrwerk funktionierst mit ständisch vollgespannter Feder, wenn de nisch zur Nachsorge jehst, ooch wenn deine Darmspiegelung schon mea als zehn Jahre her is, wenn dett letzte EKG foa fünf Jahren jewesen is? Bewegung haste ja bei de Arbeet, aba gloobste wirklich, dett ditt reicht, wenn de eenmal in de Woche ne Stunde schwimmen jehst ? Nennste dett Selbstfindung, wenn de abends nach zwee Stunden unt nen paar Bierchen vor der Glotze einpennst ? Hatt dia nisch unsa Dok neulisch de Leviten jelesen, alsa seinen Rasenmäher jebracht hatt – ick hab dett mitjekricht, ooch wenn de ihn jleich in de Werkstatt rinjezogen hast ! Nee, meen Lieba, so jeht dett nisch. Inde Arbeit kann dia keener watt nachsagen, da prüfste deine Maschinen jründlisch , da kiekste mitnem Endoskop in Zylinder unt mitnem Oszillografen misste deen Herzschlach vom Motor, hörst uffs kleenste falsche Jeräusch, da kontrollierste jedett Schräubschen, da machste bei jeda Reparatur ne Endkontrolle, aba watt is mit dia ? Wann lässte dia kontrollieren? Mensch, Maxe, du hast Verantwortung füa disch, füa den Laden. Willste nisch imma Vorbild sint füa deene Leute ? Betrifft Jesuntheits-Menitschment unt persönlische Achtsamkeit nua Top-Menitscha von Industriebetrieben oda muss dett nisch ooch vom Chef eener kleenen Klitsche praktisch vorjelebt werdn? Hört dett bei uns damit uff, dett die Werkstatt penibel nach den Arbeitsschutz-Bestimmungen jebaut unt einjerichtet is? Nee, meen Lieba, Deine Leute sint ohne dia nischt, die brauchen dia unt ick brauche dia ooch, watt solln wa denn machen, wenn de ernsthaft krank wirst , weil de deine Lebenskerze uff beeden Seiten gleichzeitisch ansteckst unt gloobst du bist unverwundbar wie Superman?“
Dett hat jesessen ! Watt soll ick euch sagen, da fühlte ick mia ziemlich plümerant. Denn hab ick de Susie eenfach in Arm jenommen unt jedrückt unt hoch unt heilisch fasprochen, dett ick mia ändern werde, denn wo se recht hat, hat se Recht. Is mia nischt Besserett injefallen, hatt aba jeholfen unt se besänftischt . Ick weeß ja, dett ick watt tun muss unt ditt werde ick ooch, Ehrenwort!
HJS

und hier die „deutsche" Version:

Das habe ich schon mal erzählt: wenn meine bessere Hälfte, die Susie, die bei uns die Buchhaltung macht und auch im Laden hilft, „meen Lieba“ sagt, dann ist Vorsicht geboten, wenn sie „Nee, meen Lieba“ sagt, denn brennt das Dach, dann musst du dich verkrümeln. Neulich war es mal wieder so weit. Ich kam nichts ahnend ins Büro, da hält die Susie meinen Terminkalender in der Hand, schaut mich an und sagt: „Nee, meen Lieba, was soll das? warum hast Du den Termin für Deinen Check-up in der Klinik abgesagt?“ Was sollte ich da schon antworten? Weil so viel zu tun ist? Weil ich ja gesund bin? Weil Krankenhäuser der blanke Horror für mich sind? Ich bin nicht auf den Mund gefallen, aber da konnte ich nur noch murmeln: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben- ich mache das alles im Herbst, wenn es bei uns ruhiger zugeht!“
Aber damit war die Sache nicht vom Tisch, Susie holte tief Luft und dann kam sie,- ihre Standpauke: „nennst du das vielleicht „verantwortungsvoll“, wenn du arbeitest bis zum Umfallen- 70-80 Stunden in der Woche und nun schon seit drei Jahren ohne Urlaub, wenn du wie ein Uhrwerk funktionierst mit ständig gespannter Feder, wenn du nicht zur Nachsorge gehst, auch wenn deine Darmspiegelung schon mehr als zehn Jahre her ist, wenn das letzte EKG vor fünf Jahren gewesen ist? Bewegung hast du ja bei der Arbeit, aber glaubst du wirklich, dass es reicht, wenn du einmal in der Woche eine Stunde schwimmen gehst? Nennst du das Selbstfindung, wenn du abends nach zwei Stunden und ein paar Bierchen vor dem Fernseher einschläfst? Hat dir nicht unser Doktor neulich die Leviten gelesen, als er seinen Rasenmäher gebracht hat – ich habe das mitbekommen, auch wenn du ihn gleich in die Werkstatt reingezogen hast! Nee, meen Lieba, so geht es nicht. Bei der Arbeit kann dir keiner etwas nachsagen, da prüfst du deine Maschinen gründlich , siehst mit dem Endoskop in den Zylinder und mit den Oszillografen misst du den Herzschlag des Motors, hörst auf das kleinste falsche Geräusch, kontrollierst jedes Schräubchen , machst bei jeder Reparatur eine Endkontrolle, aber was ist mit dir? Wann lässt du dich kontrollieren? Mensch, Maxe, du hast Verantwortung für dich, für den Laden. Willst du nicht immer Vorbild sein für deine Leute? Betrifft Gesundheits-Management und persönliche Achtsamkeit nur Top-Manager von Industriebetrieben oder muss das nicht auch vom Chef eines kleinen Betriebes praktisch vorgelebt werden? Hört das bei uns damit auf, dass die Werkstatt penibel nach den Arbeitsschutz-Bestimmungen gebaut und eingerichtet ist? Nee, meen Lieba, Deine Leute sind ohne dich nichts, sie brauchen dich und ich brauche dich auch, was sollen wir denn machen, wenn du ernsthaft krank wirst , weil du deine Lebenskerze auf beiden Seiten gleichzeitig ansteckst und glaubst du bist unverwundbar wie Superman?“
Das hat gesessen! Was soll ich euch sagen, ich fühlte mich ziemlich unwohl in meiner Haut. Dann habe ich die Susie einfach in den Arm genommen und gedrückt und hoch und heilig versprochen, mich zu ändern, denn wo sie recht hat, hat sie Recht. Ist mir nichts Besseres eingefallen, hat aber geholfen und sie besänftigt. Ich weiß ja, das ich etwas tun muss und das werde ich auch, Ehrenwort!

H.J.Schmidt,Ing.